Heimat & Kultur

Bei der Suche nach der Entstehung des Aussichtspavillons wird man in den Annalen des hiesigen Schwarzwaldvereins fündig. Gegründet 1888, im sogenannten „Dreikaiserjahr“, als „Sektion des badischen Schwarzwaldvereins“, ging er mit dem „Verschönerungsverein“ zusammen, der sich die touristische Erschließung Schiltachs zum Ziel setzte. Dazu gehörte, wie er im Juni 1891 verlautbarte, die Errichtung „einer Schutzhütte auf der Anhöhe über der Stadt, von wo aus man eine hübsche Rundsicht hat“. Gesagt, getan: Im April 1892 heißt es, dass der Verein „seine Mittel für Wegeanlegen und eine Schutz & Aussichtshütte auf dem Häberlesberg vollständig aufgebraucht hat“ – ihre Erbauung war wohl noch 1891 erfolgt.

Christohhütte Diese erste Hütte stand etwa 50 Meter unterhalb des   heutigen Pavillons, damals noch Gemarkung der Gemeinde Kinzigtal. Der Platz gehörte dem dortigen Hirschwirt und Holzhändler Johannes Heinzelmann. Sein Grab ist auf dem Schiltacher Friedhof erhalten, als eines der ältesten mit den Lebensdaten 1821-1908. Heinzelmann war ein rühriger Unternehmer: Er verwandelte die Schänke „am Hirsch“ in eine gehobene Gastwirtschaft und erstellte, mit der neuen Eisenbahn-Zeit gehend, das Bahnhofshotel. 1884 erwarb er von den Erben des Alpirsbacher Holzhändlers Ludwig Trick das Sägewerk auf der Schmelze in Vorderlehengericht. Seine Söhne Christian und Christoph führten es als „Gebrüder Heinzelmann“ weiter. Mit einem Werk in Halbmeil besteht der Familienbetrieb bis heute.Heinzelmann.jpg

Christian hatte die technische Leitung, der jüngere Christoph war Kaufmann und vertrat die Firma geschäftlich, „vermöge seiner gewandten und konzilianten Umgangsformen auch nach außen hin erfolgreich“, wie sich der Schriftsteller Otto Hörth erinnert. Auch schreibt er von einem „flottgehenden, mit Aufträgen überlastetem Sägewerk auf der Schmelze“, das 1905 mit der Dampf- oder Stangensäge ein Zweigwerk Vor Heubach erhielt.

Dass die Christophshütte nach Christoph Heinzelmann (1859-1919) benannt ist, hielt der Schiltacher Heimatforscher Hermann Fautz fest, der in ihm auch als ihren „Ersteller“ sieht. Wohl hatte Christoph für den Standort im Heinzelmann-Wald am Häberlesberg gesorgt und als Sägewerksunternehmer das Holz für sie gestiftet, was die bis heute ehrende Benennung nach ihm erklären würde. Bei seinem Tod 1919 würdigte ihn die Zeitung als „einen der bedeutendsten Männer unserer Stadt“: Ihm und seinem Bruder sei es „in zäher Arbeit“ gelungen, ihre Firma „zur heutigen Bedeutung und Weltruf zu bringen“, wobei er „sein einfaches Wesen bewahrt und auch für den niedersten seiner Mitbürger jederzeit ein freundliches Wort und eine offene Hand hatte“. Die Trauer über sein Ableben bringt die von dem Bildhauer Fritz Wolber geschaffene Grablegung Jesu auf dem Familiengrab zum Ausdruck – zugleich das bedeutendste Kunstwerk des Schiltacher Friedhofs.

1924 stellte Regine Heinzelmann, geborene Bühler (1873-1934), die Witwe Christophs, dem Schwarzwaldverein „die Erneuerung der Berghütte am Häberlesberg in bestimmte Aussicht“. Offensichtlich fühlte sie sich der Stiftung ihres Mannes weiterhin verpflichtet. Doch war das Nagen der Zeit an dem kleinen Holzbauwerk nicht aufzuhalten: Ende der 1950er Jahre lag es zusammengefallen im Wald. 1958 konnte der Schwarzwaldverein jedoch erfreut mitteilen, „dass die Stadtverwaltung im Häberlesberg (oberhalb der Christoph-Hütte) wieder einen Pavillon mit schöner Aussicht auf Schiltach erstellen wird“. Dies geschah dann um 1960, sodass der neue Pavillon bald seinen 60. Geburtstag feiern kann. Von seinem Vorgänger übernahm er nicht nur die Krönung eines beeindruckenden Aussichtspunkts, sondern auch den Namen, der an einen Förderer der Verschönerung Schiltachs erinnert. 

 

  • Der Kinzigtäler (Tageszeitung, Stadtarchiv Wolfach) vom 1891-6-16
  • 100 Jahre Schwarzwaldverein Schiltach e. V. Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Schwarzwaldvereins Schiltach e. V., Schiltach 1988, S. 15.
  • DK 1923-4-11
  • DK 1884-3-13 + 1884-7-8.
  • Staatsarchiv Freiburg B 751/4 Nr. 935
  • Fautz, Flurnamen, Nr. 47
  • DK 1920-1-3.
  • DK 1924-4-1.
  • 100 Jahre Schwarzwaldverein Schiltach, S. 43.

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